GLAUBE

Ein Mensch, der glaubt, ist so stark wie neunundneunzig andere, die nur Interesse haben.
John Stuart Mill (1806-1873)

Impulse zu den Sonntagslesungen

17.10.2021 - 29. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr B

Zu Jesaja 53,10-11 und Hebräer 4,14-16

Die Aussage, dass der Herr Gefallen hat an dem von Krankheit Zermalmten, ist doch sehr verstörend. Wie kann das sein? Weil Gott das Leiden, ja das ganze Leben, die Lebenshingabe dieses Menschen annimmt als Schuldopfer. Da opfert sich einer für viele andere. Gott will nicht das Leiden, aber er wandelt das, was als Niederlage daherkommt in Leben und Erfolg.

Die Christen sehen die Gottesknechtslieder beim Propheten Jesaja als Bild für Jesus, der gekreuzigt wurde, aber am dritten Tag auferweckt wurde von den Toten. Der, der am Kreuz litt und sein Leben hingab, ist der Messias, der von Gott gesandte Retter.

Ein Trostwort für uns. Wir können unsere Leiden mit den Leiden des Erlösers verbinden und gewiss sein: Gott sieht unsere Not und wandelt sie zum erfüllten Leben. Gott ist mitfühlend und gibt Hilfe zur rechten Zeit.

03.10.2021 - 27. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr B

Zu Genesis 2,18-24 und Mk 10,2-16

Der Mensch ist Mann und Frau.

Mann und Frau werden und sind ein Fleisch.

Mann und Frau sind einander ebenbürtige Hilfen.

Mann und Frau sind ein Herz, aus demselben Stoff gebildet.

So sind Mann und Frau Herzenssache; Gottes Herzensangelegenheit.

In Ihrer Gemeinschaft ist Gott gegenwärtig.

05.09.2021 - 23. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr B

Zu Jesaja 35,4-7a und Mk 7,31-37

„Er hat alles gut gemacht“, sagen die Leute, die die Heilung des Stammelnden miterleben. Am Anfang der Bibel lesen wir:“ Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut.“ (Gen 1,31a) Wir sehen das oft anders, wenn wir auf unser Leben und auf die Welt blicken. Wir haben da unsere Zweifel. Jesaja macht uns Mut. Er richtet unseren verzagten Blick auf den Ausgang: „Gott selbst kommt und wird euch retten!“ Auch wenn wir es jetzt noch nicht sehen können, einmal aber werden wir es mit eigenen Augen sehen können, am eigenen Leib erfahren: Gott ist der Gott des Lebens. Gott ist der Retter, Gott ist der Heiland. Wenn wir mit den Augen unseres Herzens auf Jesus Christus schauen, dann können wir es schon in Umrissen sehen. Lassen wir unseren Blick schärfen von seinem Geist. Lassen wir uns immer wieder neu anrühren.

29.08.2021 - 22. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr B

Zu Deuteronomium 4,1-2.6-8

Der HERR ist seinem Volk nahe, jeder und jedem einzelnen – und das voller Liebe. Der HERR führt in die Lebensfülle. Er tut das mittels seiner Gebote und Rechtsentscheide. Sie sind tiefe Weisheit und große Bildung; sie halten jedem Vergleich stand. Wer sich so vom HERRN führen lässt, wird das erfahren.

22.08.2021 - 21. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr B

Zu Josua 24,1-2a.15-17.18b und Johannes 6,60-69

Wir entscheiden uns immer wieder – bewusst oder unbewusst. Josua ruft die Stämme Israels zur bewussten Entscheidung auf: Den Göttern oder dem einen Herrn dienen, der aus der Knechtschaft hinein in das versprochene und üppige Land führt.

Auch Jesus stellt seine Jünger vor die Entscheidung: weggehen oder weiterhin mit ihm gehen, der durch Leiden und Tod hindurchgeht in die Herrlichkeit beim Vater.

Wir können uns bewusst entscheiden: für die vielen schönen Ablenkungen im Leben oder für das vollendete Leben in Fülle, auf das wir in der Nachfolge Jesu Christi ganz gewiss zugehen.

15.08.2021 - Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel Lesejahr B

Zu Offb 11,19a;12,1-6a.10ab

 „Tempel Gottes im Himmel“ und die „Lade seines Bundes“; was können uns diese Bilder zeigen! Tempel, Ort der Gegenwart Gottes, Ort aller geoffenbarten Herrlichkeit. Bundeslade mit den Gesetzestafeln, die Treue Gottes zu den Menschen und seine unabdingbare Anhänglichkeit.

Der Tempel Gottes im Himmel wird geöffnet und die Bundeslade wird sichtbar – wir haben Zugang zur Herrlichkeit Gottes und seine Treue gilt uns.

Maria ist der Tempel Gottes. In Ihr ist Gottes Herrlichkeit und Treue gegenwärtig; sie zeigt uns den Sohn, in dem Gott sich unabdingbar an uns Menschen bindet.

Maria ist Sinnbild der Kirche. Sie ist die Wohnung der Herrlichkeit Gottes in der Welt. Sie birgt das ganze Heilsgeschehen Jesu, das an uns wirksam werden soll und will und wird.

Der Drache, der Widersacher des Heilsgeschehens in der Welt, will die Rettung des Menschen zerstören. Die Frau, der Tempel, die Kirche – sie wird aber zur Oase in der Wüste; zur Oase für uns auf unserer irdischen Pilgerwanderung, sie wird zum Zufluchtsort. Der, der schon zum Throne Gottes entrückt ist, der Menschensohn, er ist gegenwärtig in der Frau, im, Tempel, in der Kirche.

8.8.2021 19. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr B

Zu 1 Könige 19,4-8 und Johannes 6,41-51

Am Ende der Kraft, erschöpft, erfolglos, lebensmüde.

Da, ein Egel aus heiterem Himmel, Brot, Wasser, Lebenskraft, Aufmunterung.

Ein zweites Mal: ein Engel, der berührt, ein aufmunterndes Wort, stärkende Speise für die lange Wüstenwanderung.

Wenn ich am Ende bin, hat Jesus Christus für mich einen neuen Anfang – immer wieder. ER ist das Lebensbrot und zugleich Begegnung mit dem Ewigen. Er ist die Oase in der Wüste meines Lebens. Bei IHM erkenne ich meine Sendung und gehe gestärkt meinen Weg.

1.8.2021 18. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr B

Zu Exodus 16,2-4.12-15 und Johannes 6,24-35

An den Fleischtöpfen sitzen und Brot genug haben und so sterben – das ist ein Lebensentwurf. Im Buch Exodus berufen sich die Israeliten darauf.

Inmitten von Entbehrungen erfahren, dass Gott buchstäblich vom Himmel fallen lässt, was dem täglichen Bedarf dient – ist das nicht ein verlockenderer Lebensentwurf? Im Buch Exodus stellt der HERR das in Aussicht. Im Johannesevangelium ist es Jesus selbst und in ihm der HERR, der Lebensbrot ist und mit sich selbst den Lebensdurst stillt.

25.7.2021 17. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr B

Zu 2 Könige 4,42-44 und Johannes 6,1-15

Wir haben oft Sorge, ob das uns Verfügbare an geistigen, geistlichen und materiellen Gegebenheiten wirklich zu einem erfüllten und satten Leben ausreicht. Manches scheint uns zu knapp bemessen zu sein. Glaube und Vertrauen in Gottes Fürsorge und Zusage macht das Vorhandene zur Überfülle.

27.6.2021 13. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr B

Zu Weisheit 1,13-15;2,23-24

Tod und Leben liegen nahe beieinander. Heilmittel in Überdosis können todbringend sein. Gut, wenn wir erkennen, was dem Leben dient; gut, wenn wir uns für das Lebensförderliche entscheiden; gut, wenn wir das rechte Maß finden.

Was zerfrisst aber unser Leben? Das Buch der Weisheit antwortet: Der teuflische Neid.

Was stärkt und erhält das Leben? Das Buch der Weisheit antwortet: Der Gott der Gerechtigkeit. Er hat alles für die Ewigkeit geschaffen und in alles Heilmittel hineingelegt.  Er hat uns Menschen „zum Bild seines eigenen Wesens gemacht“. Unsere Entscheidung für Gott zeigt sich darin, dass wir nach dem suchen, was heilt und erhält. Ein Heilmittel ist die Gerechtigkeit. Sie hält Neid und Tod in Schach und erhält das Leben. Gerechtigkeit ist eine Wesensart Gottes.

20.6.2021 12. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr B

Zu Ijob 38,1.8-11

Ijob trifft unermessliches Leid. Freunde kommen, wollen ihn trösten, sein Leid erklären. Er selbst ringt mit Gott, hadert und fragt. Gott führt Ijob durch Fragen langsam zu einer tiefen Erkenntnis: Gott ist der alleinige Herr. ER kann alles so fügen, wie er will. Am Ende des Buches Ijob sehen wir: Durch Leid hindurch führt Gott Ijob zur Lebensfülle für. Als Christen sehen wir im Glauben: der souveräne Gott führt in seiner unendlichen treuen Liebe zu uns und seiner Schöpfung durch seine eigene Hingabe in Jesus und durch Tod und Auferstehung alle zur Vollendung und Lebensfülle. Gott lädt uns mitten im Leid ein, IHM zu vertrauen.

13.6.2021 11. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr B

Zu Ezechiel 17,22-24

Ein zarter Zweig aus der Krone des Baumes herausgebrochen und dann auf einem hohen Berg eingepflanzt, wird zu einem prächtigen Baum mit Früchten und zum Nistplatz für die Vögel.  Das Bild wird erweitert: Der hohe Baum wird erniedrigt, der niedrige Baum wird hoch; der grünende Baum verdorrt, der verdorrte Baum blüht auf.

 Diese Bilder hält der Prophet Ezechiel im Auftrag des HERRN dem Bundesvolk und seinem König vor. Sie sollen erkennen: Gott ist es, der erhöht und der den Erfolg und das Wohlergehen schenkt. Darum gilt es, IHM treu zu sein. Wer den Bund mit dem HERRN nicht bricht, darf darauf vertrauen, dass Gott selbst alles zum Guten und zum Erfolg führt. Der Untreue wird am Ende nicht auf ein erfolgreiches Leben schauen können.

Uns lädt die Rede des Propheten ein, heute Gott die Treue zu bewahren. Wir dürfen darauf vertrauen: auch wenn wir ganz am Boden sind, wenn unser Leben öde und unfruchtbar erscheint. Gott schenkt das Aufblühen, Wachstum und Reifung des Lebens. Es lohnt sich darum, Treue und vertrauen täglich neu zu üben.

30.5.2021 Dreifaltigkeitssonntag Lesejahr B

Zu Deuteronomium 4,32-34.39-40

Gott ist nicht zu verstehen. Aber Nachdenken über IHN und IHM Nachspüren ist angesagt.

Spielt Gott in meinem Lebensalltag eine Rolle? Kommt er darin vor? Lass ich mich von IHM befeuern und wachrütteln? Vertraue ich, dass ER meinem Leben dienen will?

Ich spiele für Gott eine große Rolle. Er bemüht sich um mich. Spüre und sehe ich in meinem Leben, wie sehr Gott um mich wirbt?

Der HERR ist nicht irgendein Gott – ER bewegt alles machtvoll. Wenn ich seine Welt- und Himmelsgesetze versuche zu beachten und zu befolgen, dann gewinne ich rettendes Lebensland.

23.5.2021 Hochfest Pfingsten Lesejahr B

Zu Genesis 11,1-9 und Apostelgeschichte 2,1-11

Eine Sprache, eine Wortbedeutung, ein Ort. Gebündelte Fähigkeiten.

Eine Stadt, ein Turm, eine Spitze: Sie zerkratzen das Göttliche, machen sich einen Namen; sie verschließen sich der Sendung, die ganze Erde fürsorglich zu beleben.

Der Herr sieht die geballte Kraft: die Sprengkraft, die zerstört.

Der Herr geht liebevoll sorgend dazwischen und weitet zur Vielfalt.

Sie sind an einem Ort im Namen Jesu Christi zusammen. Sturm, Brausen, Feuerzungen erfüllen ihn: geballte Kraft des Heiligen Geistes, die die Vielfalt eint und die ängstliche Enge sprengt.

Der Heilige Geist erfüllt alle mit Einsicht, Mut und Freude und sendet aus bis an die Grenzen, die Frohe Botschaft von der Neuschöpfung zu verkünden, den Namen Gottes groß zu machen, die Gemeinschaft der Menschen in der einen Welt zu erneuern.

16.5.2021 7. Sonntag der Osterzeit Lesejahr B

Das ist eine gewaltige Zusage: „… wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollendet.“ (1 Johannes 4,12)

Gott in uns, Gottes Liebe ganz und gar vollendet in uns! Von uns selbst hängt es ab, dass Gottes Sehnsucht nach uns sich verwirklicht, Wirklichkeit wird. Gott, der die Liebe ist, macht das, macht sich von unserer Liebe zueinander abhängig.  Er traut uns zu lieben zu. Gottes Lebensatem ist ja in uns eingehaucht; er bleibt in Ewigkeit vollendet in uns, wenn wir einander lieben. Wenn wir einander lieben, ist die göttliche Ewigkeit vollendet und bleibend in uns. Wir sind dann nicht nur Menschen auf dieser Erde, wir sind schon Hausgenossen Gottes, wir haben schon Anteil am Leben jenseits der Zeit, jenseits des Todes. So sind wir Zeugen der Auferstehung, wenn wir einander lieben, treu und unverbrüchlich. Die Eheleute im Sakrament der Ehe sind dafür in besonderer Weise Zeugen Tag für Tag. Zeuge der Auferstehung sein, das ist Auftrag und Sendung (vgl. Apostelgeschichte 1,22), das ist unser aller tägliches Apostolat. Es ist mit Opfer und Beschwernis verbunden. Deshalb hat Jesus zu seiner irdischen Lebenszeit für uns alle zum Vater im Himmel gebetet: „…damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.“ (Johannes 17,13) Gott in uns, Gottes Liebe in Vollendung in uns, das ist heute schon Freude und Leben in Fülle. Das ist eine gewaltige Zusage.

9.5.2021 6. Sonntag der Osterzeit Lesejahr B

Zu Apostelgeschichte 10,25-26.34-35.44-48

Gottes Geist ist es, der den Petrus in Bewegung bringt. Vordergründig lesen wir, Petrus macht sich auf nach Cäsarea zum Hauptmann Kornelius. Dahinter liegt aber die Erkenntnis und die Botschaft: Gott beruft, wen er will, Gott schenkt Glauben, wem er will. Gottes Geist sucht sich selber die Herzen, in denen er wohnen und wirken will. Glaube, Taufe, Firmung sind Geschenke Gottes, ja ER schenkt sich selbst. Wir sind eingeladen, uns immer neu beschenken zu lassen.

2.5.2021 5. Sonntag der Osterzeit Lesejahr B

Zu Apostelgeschichte 9,26-31

„Leg doch mal ein gutes Wort für mich ein, bitte.“  Saulus hat das sehr nötig. Der Christenverfolger hat sich von Jesus Christus wandeln und in Dienst nehmen lassen. Er ist ein Getaufter, aber die Jünger in Jerusalem mistrauen ihm; sie fürchten sich vor ihm. Er hat bei ihnen keine Schnitte – er bekommt keinen Zugang zur Eucharistie. Er findet kein Vertrauen, keinen Glauben, dass er ein Jünger ist; er bleibt außen vor.

Da ist aber Barnabas. Er nimmt sich des Saulus an. Er kennt die Bekehrungsgeschichte des Paulus; er vertraut und glaubt ihm. Er nimmt ihn mit zu den Aposteln, schafft Zugang in die Gemeinde. Saulus wird es so ermöglicht, mit ganzem Einsatz von Jesus dem Gekreuzigten und Auferstandenen zu predigen, besonders den griechischen Juden, zu denen er ja auch wohl selbst gehörte.

Ein gutes Wort einlegen – Zugang zur Gemeinde schaffen: ist das nicht auch heute eine wichtige Aufgabe in unseren Gemeinden? Es gilt Ängste abzulegen vor dem Fremden, vor dem vermeintlich Gefährlichen; sich vertraut machen miteinander, Vertrauen schenken gerade auch dem Glaubenswillen des anderen Menschen. So ermöglichen wir einander, die frohe Botschaft weiterzusagen mit unseren je eigenen Möglichkeiten – natürlich in aller Begrenztheit, die jede und jeder mitbringt.

Ein gutes Wort einlegen, Ausgrenzung überwinden. Jesus Christus tut das für uns ständig beim Vater in der Ewigkeit.

25.04.2021 4. Sonntag der Osterzeit Lesejahr B

Zu 1 Johannes 3,1-2

Beim Optiker muss ich sehen und erkennen. Er stellt die Sehschärfe ein, aber hinsehen und erkennen muss ich selbst. Immer wieder ausprobieren, wann ich den echten Durchblick habe.

In dem kleinen Abschnitt aus dem 1. Johannesbrief geht es auch um Sehen und Erkennen.

  • Die Liebe sehen, die der Vater uns geschenkt hat.
  • Erkennen, dass diese geschenkte Liebe sich in der Gotteskindschaft zeigt. Gottes Liebe zeigt sich in der innigen Beziehung, die der Vater uns schenkt.

Wir haben aber noch nicht die volle Sehschärfe erreicht. Dann werden wir sie haben, wenn Jesus Christus offenbar wird: A: wenn wir die Augen unseres Herzens schulen und wir immer besser erkennen, dass er die Liebe Gottes ist und B: endgültig, wenn er wiederkommt und wir vollkommen sehen, wie er ist. Bei diesem Geschenk werden uns die Augen überlaufen.

Jetzt können wir unser Sehen schulen, die Sehstärke verschärfen, wenn wir in liebender Verbindung zu Gott, wie Jesus Christus sie hat, unsere Begegnungen mit den anderen Menschen gestalten. Das Interessante ist, dass unser Verhalten dann auch bei anderen den Durchblick auf Gott und sein Liebesgeheimnis ermöglichen kann.

18.04.2021 3. Sonntag der Osterzeit Lesejahr B

Zu Apg 3,12a.13-15.17-19 und Lk 24,35-48

Petrus verweist in der Apostelgeschichte auf den Gott der Väter: Abraham, Isaak und Jakob. Dieser hat seinen Knecht Jesus im Kreuzestod verherrlicht, wie es die Propheten schon im Voraus verkündet hatten. Diesen Jesus bekennen die Christen als den Messias, durch den alle Menschen und die ganze Schöpfung Heil und Segen erhalten. Der Gekreuzigte, der Auferstandene selbst beruft sich auf das Gesetz des Mose, auf die Propheten (Tanach) und die Psalmen. Er ist mit seinem Schicksal der Vorausgesagte, der, in dem und durch den Israel und alle Welt Segen erlangen. Juden und Heidenchristen (wir) sind berufen und gesandt diesen Segen und das Heil, die Heilung an Leib und Seele, zu den Menschen zu bringen und ihnen erfahrbar zu machen. Eine große Sendung; aber es ist auch ein großer Herr, der sendet und seinen Segen gibt und das Heil in unser Wesen, in unser Herz gelegt hat.

11.04.2021 2. Sonntag der Osterzeit oder Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit (Weißer Sonntag)

Zu Apg 4,32-35 und 2,43-47

Lukas berichtet, wie die ersten Christen in Gemeinschaft leben. Mir scheint, er stellt uns ein Idealbild vor Augen, das sich mehr und mehr erfüllt, wenn wir uns immer tiefer verwurzeln lassen in das Geheimnis von Tod und Auferstehung Jesu Christi.

  • Ein Herz und eine Seele sein
  •  Alles gemeinsam haben
  • Keiner leidet Not.
  • Jede und jeder bekommt das, was er nötig hat.
  • Einmütig täglich im Tepel verharren
  • In den Häusern das Brotbrechen – Eucharistie feiern/ Gott loben

Das nennt Lukas: Mit großer Kraft Zeugnis ablegen von der Auferstehung Jesu, des Herrn.

Dann wird deutlich, dass reiche Gnade auf allen ruht.

Das ist Vision und Zusage, aber auch Herausforderung und Anspruch.

4.4.2021 Ostersonntag - Hochfest Auferstehung des Herrn Lesejahr B

Zu Jesaja 54,5-14, Vierte Lesung in der Osternacht

Manche haben sich in eine Stadt verliebt. Gebäude, Plätze, Gärten und andere Sehenswürdigkeiten tun der Seele gut.

Die Liebe zu einer Stadt ist noch viel größer, wenn man sich in ihr verliebt hat.

In der vierten Lesung wird uns eine große Vision vorgestellt. Hier fällt beides zusammen: Der „HERR der Heerscharen“ liebt seine Stadt wie eine Braut. Sie ist seine Jugendliebe. Aber in welchem Zustand ist sie?! Sie ist wie eine „verlassene und bekümmerte Frau“, „Ärmste, vom Sturm gepeitschte, die ohne Trost ist“. Der große Liebhaber macht seiner Geliebten ein Versprechen: „mit großem Erbarmen werde ich dich sammeln“, ich erbarme mich deiner in ewiger Huld, nie mehr will er ihr zürnen und sie schelten, der Bund des Friedens hat für immer Bestand.

Das Bild von der geliebten Stadt wird ausgemalt: Der HERR selbst legt ihr „ein Fundament aus Malachit und Grundmauern aus Saphir.“ Der HERR verspricht:“ Aus Rubinen mache ich deine Zinnen, aus Beryll deine Tore und alle deine Mauern aus kostbaren Steinen.“ Friede und Gerechtigkeit wohnen in dieser geliebten Stadt, alle „sind Schüler des HERRN“. Furcht und Schrecken bedrängen die Stadt nicht mehr.

Diese große Vision war den Juden zu allen Zeiten Trost und Stärkung im Unheil.

Die Christen nehmen diese Vision auf. Mit dem wiederkommenden Gekreuzigten und Auferstandenen wird das Neue Jerusalem am Ende der Zeiten heraufziehen. Mit der Auferstehung Jesu ist Gottes treue Liebe offenbar geworden. Wir sind eingeladen an dieser Stadt Jerusalem mitzuarbeiten. Durch das Sakrament der Taufe sind wir schon ein Teil dieser Neuen Stadt Jerusalem, so wie die Juden es sind durch den immerwährend Bund Gottes mit ihnen.

28.03.2021 Palmsonntag Lesejahr B

Zu Jesaja 50,4-7

Das will gelernt sein: ein aufmunterndes und stärkendes Wort zu sprechen!

Ich darf bei Gott in die Sprachschule gehen.

Der Unterricht beginnt mit dem Hören!

Das helfende Wort sagen, weckt auch Widerstand und Gewalttätigkeit.

Das kann nicht anders sein, denn das gute Wort Gottes wurde gekreuzigt.

Das Kreuz ist nicht das Ende in Schande, es ist der Beginn der Lebensrettung durch Gott.

21.03.2021 5. Fastensonntag Lesejahr B

Zu Jeremia 31,31-34

Wir sind Gottes Herzensangelegenheit!

Israel und Juda haben den Bund gebrochen. Da könnte einer meinen: Jetzt hat Gott genug; es ist aus. Aber im Gegenteil: Der HERR bindet sich noch enger an sein Volk. Hatte er es zuvor bei der Hand genommen, wie ein fürsorglicher Vater und eine fürsorgliche Mutter, und es in die Freiheit geführt, so macht er jetzt sein Volk zur Herzenssache: Er schreibt seine Weisung auf das Herz. Weisung, die Hilfe zum Leben ist, die Leben ist, die Ausdruck der Liebe des HERRN zu seinem Volk ist. Gott schreibt seine Liebe den Herzen ein. Der HERR hat seine Weisung in die Mitte seines Volkes gegeben. Er selbst wohnt in der Mitte seines Volkes. Das ist eine große Vision! Zu dieser Vision gehört, dass alle, Klein und Groß, den HERRN erkennen und allen ist die Schuld vergeben.

Durch den Juden Jesus Christus, der Nachkomme Abrahams ist, sind wir, die wir nicht zum abrahamitischen Bundesvolk gehören, mit hineingenommen in diese große „Herzensvision“.

Am Ende des 2. Testamentes steht die Vision des Neuen Jerusalem, in dessen Mitte der HERR wohnt. Er selbst ist das Licht des Lebens.

Wir sind Gottes Herzensangelegenheit!

14.03.2021 4. Fastensonntag Lesejahr B

Zu 2 Chr 36,14-16.19-23

Die Untreue führt zum Untergang – zwangsläufig. Der Herr aber versucht in seinem Erbarmen den Abwärtstrend zu stoppen – aber die Boten werden nicht gehört, ja sogar verspottet, so- „dass es keine Heilung mehr gab“. Der Tempel wird zerstört, das Land verwüstet, viele getötet, der Rest deportiert. 70 Jahre Brach-Zeit, 70 Jahre Sklavendienst im fremden Land. Im Nachhinein sehen die Glaubenden auch darin Gottes gütiges Handeln: Die verwehrten Ruhezeiten, die nicht eingehaltenen Sabbate werden zurückgeschenkt: eine ERHOLUNGSPHASE für das Land und für die Menschen. Nach dieser Zeit schenkt der HERR eine neue Aufbruchsphase, eine Heimkehr, Aussicht darauf, dass das Land wieder bebaut wird und vor allem, dass der Tempel wiederaufgebaut wird. Der Tempel, die Wohnung des Herrn inmitten seines Volkes. Gottes sichtbare Gegenwart wird durch den Tempelbau wieder möglich.

Diese Geschichte der Juden ist eine Ermunterung auch für unseren Glauben. Der HERR müht sich voll Erbarmen ständig um uns. Aller Einsturz, alle Fremdheit sollen nicht zum Untergang führen; vielmehr sollen sie Erholungs- und Bedenkzeit sein. Auch in die bittersten Zeiten legt Gott die Möglichkeit eines Neuanfangs.

7.3.2021 3. Fastensonntag Lesejahr B

Zu Ex 20,8-11

„Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig! Sechs Tage darfst du schaffen und all deine Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem HERRN, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du und dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin und dein Vieh und dein Fremder in deinen Toren. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel, Erde und Meer gemacht und alles, was dazugehört; am siebten Tag ruhte er. Darum hat der HERR den Sabbat gesegnet und ihn geheiligt.“

Das ist eine große Kulturleistung: ein arbeitsfreier Tag in der Woche! Das gilt nicht nur für eine Gruppe, für meine Glaubensgenossen, sondern für alle bei mir, auch für den Fremden, was auch immer er glaubt. Auf dem siebten Tag, auf dem wöchentlichen Feiertag liegt Segen, Segen für alle! Es geht nicht um den naturwissenschaftlichen Bericht über die Erschaffung und Entstehung der Welt, sondern es geht um den Segen, den der Schöpfer in die Welt hineingelegt hat. Das zu bedenken, zu verinnerlichen und wirksam werden zu lassen im Leben, dazu ist der Sabbat, der freie Tag, der Sonntag da. Das ist ein kleines Beispiel in der hebräischen Bibel, wie das Volk Israel, wie die Juden, Segen sind für alle Völker, wie sie den Segen des Schöpfers weitergeben. 1700 Jahre wenigstens sind die Juden in Köln nachweisbar durch eine Urkunde, die ihnen bürgerliche Freiheiten und Möglichkeiten zubilligt. Mit den Juden zusammen sind wir Christen verantwortlich für die Bewahrung dieser Kulturleistung, verantwortlich für den Ruhetag, verantwortlich dafür, dass der Segen Gottes in seiner Schöpfung erkannt und weitergegeben wird.

28.2.2021 2. Fastensonntag Lesejahr B

Zu Gen 22,1-2.9a10-13.15-18/ Röm8,31b-34/ Mk 9,2-10

Die Probe, auf die Gott Abraham stellt, ist ungeheuerlich. Er soll seien Sohn als Brandopfer darbringen. Im letzten Moment greift Gott ein. Statt Isaak wird ein Widder geopfert. Abraham hat die Probe bestanden. Der Lohn ist Segen – Segen für Abraham, seine unzähligen Nachkommen und durch sie Segen für alle Völker.

Aber eine solche Probe, die Abraham zu bestehen hat, können wir leicht anstößig finden. Von welcher Art ist dieser Gott, der solche Prüfungen stellt?

In unserem Leben haben wir auch so manche schwere und unverständliche Probe zu bestehen. Wenn es gut ausgeht, dann erschließt sich im Nachhinein ein Sinn, oftmals bleibt sie Sinnfrage unbeantwortet.

Nach der Prüfung Abrahams wird Segen verheißen – Sinndeutung, die auf Zukunft hinweist. Die Zukunft ist vom Segen schwanger, aber er ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen. Durch die ganze Geschichte hindurch, gerade durch die Geschichte des Volkes Israels hindurch, bleiben viele Fragen ohne Antwort. Eine Antwort muss immer neu gesucht und gefunden werden; Erfahrungen mit Gott müssen immer wieder neu gemacht werden – durch Leiden und Schmerzen hindurch.

Paulus versucht im Römerbrief eine Antwort. Gott selbst, den wir nie verstehen können, der immer größer ist, als wir denken können, dieser Gott stellt sich selbst in das Leiden hinein, wird selbst einer, der sich prüfen lässt. „Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?“

Der Verfasser des Markusevangeliums versucht auch eine Antwort. Er stellt Jesus in die Reihe der großen Propheten. Mit dem Bericht von der Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor schlägt er für die Christusjünger eine Schneise in das Dickicht der schweren Prüfungen. „Bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.“ Auch diese Deutung bleibt fragwürdig.

Wir verstehen Gott nicht; wir verstehen unser Leben nicht. Und doch ist Gott voller Segen und Zuwendung zu uns, unser Leben ist gesegnet. Manchmal – ganz überraschend – für einen Augenblick - erhalten wir einen Durchblick durch das Dunkel hindurch, spüren wir den Segen am eigenen Leib und sehen wir, wie der Segen Gottes in der Welt wirkt – manchmal auch durch uns.

In Tod und Auferstehung Jesu liegt der wirkmächtige Hinweis auf die gesegnete Zeit und Ewigkeit. Das feiern wir in der heiligen Messe. In der Fasten – und Osterzeit gehen wir versuchsweise den Suchweg, gehen wir unseren Fragen nach. Vielleicht stoßen wir auch auf Fragen oder auf die Frage, die Gott an uns, an mich persönlich hat.

21.2.2021 1. Fastensonntag Lesejahr B

Zu Gen 9,8-15 / 1 Petr. 3,18-22 / Mk 1,12-15

Herr, wenn der Regenbogen am Himmel steht, dann erinnert er uns daran, dass du an uns Menschen und an deine ganze Schöpfung voller Liebe denkst. Trotz unserer Vergesslichkeit beginnst du dein heilendes Werk immer neu. Dafür danken wir dir. Danke auch für deine Geduld mit uns. In Jesus Christus bist du, ist dein Reich uns ganz nahegekommen. In der Taufe hast du uns angenommen, ja du hast uns als deine Kinder angenommen – ohne unser Verdienst. Durch uns soll dein Segen zu allen Menschen kommen; durch uns soll dein Segen alle Geschöpfe und die ganze Welt erreichen. Aber anstatt zu segnen, beuten wir aus: die Erde, die Menschen, den Nächsten, uns selbst. Du aber hast Geduld – du bist in deiner Liebe zu uns und zu der ganzen Schöpfung treu und beständig. Gib uns Vertrauen, dass du immer wieder einen Neubeginn schenkst – gerade wenn die Not wächst. Herr, du denkst segensvoll an uns, wende unser Herz dir zu, der du dein Herz immer offenhältst für uns.

14.2.2021 6. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr B

Zu Lev 13,1-2.43ac.44ab.45-46

Es geht um eine Krankheit, die so heißt, was sie bewirkt: Aussatz. Sie führt also zur Isolation. Einiges kennen wir aus unseren Erfahrungen mit der Corona-Pandemie. Es käme aber niemand auf die Idee, einen unter Ansteckungsgefahr befindlichen zum Priester zu schicken. Heute haben wir kundige Ärzte und Frauen und Männer, die was von Pflege verstehen. Aber so abwegig finde ich es nicht, mit einer Krankheit zum Priester zu gehen. Vieles können wir nicht. In unserer Begrenztheit können wir uns und einander Gott anempfehlen. Gott ist an unseren Grenzen gegenwärtig, kann Halt bieten, Trost und Stärkung sein und uns über die Grenze hinweghelfen. Und weiter lese ich im Levitikus-Text, dass es darum geht, zu seiner Krankheit, zu seiner Situation zu stehen. Wenn ich mich ehrlich dem stelle, was ist, dann kann Heilung – in welcher Form auch immer – beginnen. Der Aussätzige im Evangelium          ( Mk 1,40-45) steht zu seiner Erkrankung. Er hat Vertrauen zu Jesus. Jesus erweist sich in dieser Situation für den Kranken als Heiland.

Zu seiner Krankheit stehen, Vertrauen haben zu Menschen und zu Gott – dann erweist sich Gott im Nächsten als der, der die Isolation, den Aussatz heilt.

7.2.2021 5. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr B

Zu Ijob 7,1-4.6-7

Großes Elend hat Ijob überfallen. Besitz, Kinder und Gesundheit sind ihm geraubt. Da kommen die Freunde und wollen trösten und erklären. Ijob antwortet jeweils auf diese Reden. Wir hören an diesem Sonntag einen kleinen Ausschnitt aus der 1. Antwort Ijobs. Sie hört sich an wie eine Klage gegen Gott. Der Vers 5 ist weggelassen. Ich möchte ihn aber hier zitieren: „Mein Leib ist gekleidet in Maden und Schorf, meine Haut schrumpft und eitert.“

Hier spricht ein total unglücklicher Mensch; ein rastloses, glückloses und mit Enttäuschung angefülltes Leben geht dem Tod entgegen. So fühlen sich viele Menschen und haben keine Hoffnung. Da hilft kein Reden. Auch dieser Textabschnitt gibt keine trostvolle Aussicht. Das Lebensschicksal bleibt auf weite Strecken hin unverstehbar; unverstehbar bleibt auch Gottes Willen, bleibt Gott selbst.

Im Evangelium, Markus 1,29-39 hören wir von der Heilung der Schwiegermutter des Simon Petrus und manch anderer, die zu Jesus gebracht werden. Jesus heilt viele, steht im Text. Es scheint so, dass er nicht alle heilt. In Jesus kommt Gott den Menschen nahe. Er zeigt den Elenden, dass sie bei Gott nicht vergessen sind, dass es Hoffnung gibt.

Mit Ijob, mit den Kranken in Kafarnaum und der Umgebung dürfen wir unsere Bedürftigkeit vor Gott bringen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass wir im Blick Gottes sind und bleiben; dass dieser Blick ein heilender und Leben spendender Blick ist – aber vielleicht ganz anders als wir das erwarten. Die Texte laden uns ein, Gott ungeschönt unsere Lebenssituation zu zeigen, uns dann ganz Gott zu überlassen und ihm zu vertrauen, wenn wir auch nicht wissen, wie unser Lebensweg sein wird. Wir verstehen Gott nicht; dennoch dürfen wir seiner heilsamen Nähe vertrauen. Der Grund unserer Hoffnung ist Jesus Christus, der Gekreuzigte und Auferstandene.

31.01.2021 4.Sonntag im Jahreskreis Lesejahr B

Zu Dtn 18,15-20

Manche im Volk Gottes waren sicherlich Propheten wie Mose. Alle aber überbietet das Mensch gewordene Wort Gottes, Jesus Christus.  Er ist das authentische Wort des Allerhöchsten, den kein Auge schauen und kein Ohr hören kann, ohne zu sterben. Er ist das heilende und liebende Wort des Schöpfers, der seine ganze Schöpfung hinein in die herrliche Ewigkeit und Vollendung rettet. Aus dem Volk Israel stammend ist er Gottes Segenswort für die ganze Welt.

24.01.2021 3. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr B

Zu Jona 3,1-5.10 / 1. Lesung am 3. Sonntag im Jahreskreis B

Wenn wir Gottes Botschaft weitergeben, wie verzagt und ängstlich wir das auch immer tun, es hat seine gute Wirkung.

Wenn wir uns hinkehren zu Gott, uns abwenden von unserer Lieblosigkeit und Unbarmherzigkeit – mag sie noch so tief in uns drinstecken -, dann wandelt Gott sein Vorhaben, dann wandelt er Unheil in Heil.

17.01.2021 2. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr B

Zu 1 Samuel 3,3b-10.19 / 1. Lesung am 2. Sonntag im Jahreskreis B

Der HERR ruft den Knaben Samuel. ER ist geduldig mit ihm. Viermal ruft ER, bis Samuel sich ihm stellt. Auch Eli ist geduldig. Beim dritten Mal erst geht ihm auf, wer den Knaben ruft. Er gibt ihm den richtigen Hinweis zur Begegnung mit dem HERRN. Aber auch Samuel ist geduldig. Dreimal irrt er sich darin, wer ihn ruft. Seine Geduld trägt Frucht. Es geschieht Gottesbegegnung und Berufung. Die Geduld trägt auch für Eli Frucht. Er gewinnt einen Nachfolger. Auch für den HERRN trägt die Geduld Frucht: Er gewinnt einen Propheten, einen treuen Mitarbeiter in seinem Heilswerk.

Geduld bringt Frucht im Rufen und Hören.

10.01.2021 Taufe des Herrn Lesejahr B

Bei Jesaja lesen wir eine große Verheißung: Gerechtigkeit wird aufgerichtet. Eine große Sehnsucht auch heute. Die Gerechtigkeit kommt nicht mit Lärm und Geschrei, sondern in Behutsamkeit, in großem Verständnis und in Zärtlichkeit. Die Gerechtigkeit ist Gottes Geschenk. Als Christen glauben wir, dass Jesus Christus die Gerechtigkeit gebracht hat, ja vielmehr die Gerechtigkeit ist. Gottes Geist liegt auf ihm. Der Allerhöchste führt seine Hand. Sie führt aus Dunkelhaft jeglicher Art heraus, öffnet die Augen für das Licht der liebenden Gerechtigkeit. In Jesus Christus steht Gott selbst dafür ein -  von der Krippe bis zum Kreuzestod und bis hinein in die verwandelnde Herrlichkeit der Ewigkeit.

24.12.2020 Weihnachten bis Neujahr Lesejahr B

Die Liturgie am Weihnachtsmorgen beginnt mit dem Eröffnungsvers: „Ein Licht strahlt heute über uns auf, denn geboren ist uns der Herr. Und man nennt ihn: Starker Gott, Friedensfürst, Vater der kommenden Welt. Seine Herrschaft wird kein Ende haben.“ (Vgl. Jes 9,1.5; Lk 1,33)

Die Heilszeit ist angebrochen. Der Schöpferherr ist in seine Schöpfung hineingeboren. So ist ein ganz neues Licht, eine ganz neue Sonne aufgestrahlt. Dieses Licht strahlt durch die Ritzen und Spalten unseres oft durch Leiden und Tode dunklen und verdunkelten Lebens. Der Rettergott ist stark und Garant des Friedens. Er gibt der Welt Zukunft. Diese Welt kreiert er neu bis in alle Ewigkeit. Mit dem Kind in der Krippe hat die Neuschöpfung begonnen. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch die Zeit, über das Kreuz hinaus in die Herrlichkeit beim Vater. Wir dürfen der Treue und Stärke des HERRN sicher sein und Vertrauen schöpfen – immer wieder neu.

Am Sonntag, am Fest der Heiligen Familie beginnen wir die Messfeier mit dem Vers Lk 2,16 „Die Hirten eilten hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag.“ Wenn wir mit unseren Kräften am Rande sind, dann schicken uns die Boten des Himmels zu Maria, Josef und dem Kind – zu einer Gemeinschaft, die Not kennt, aber auch Rettung und darum Geborgenheit schenkt. Das Neugeborene in der Krippe zeigt uns, dass sein Rettungsgeschenk immer auch der Gemeinschaft bedarf, der Mithilfe der Nächsten. Das ist der Sinn und Auftrag der Gemeinschaft der Glaubenden. In der Begegnung mit dem Herrn in der heiligen Messe werden der Sinn und die Herzensbindung vertieft. Gestärkt wird jede und jeder zum Heilsdienst und zum Trostdienst gesandt.

Am Oktavtag von Weihnachten, am Hochfest der Gottesmutter Maria, am 1. Tag des neuen Jahres grüßen wir Maria, die durch ihr JA, durch ihr Mittun dem Herrn und Retter des Himmels und der Erde den Weg gebahnt hat.

„Gruß dir, heilige Mutter, du hast den König geboren, der in Ewigkeit herrscht über Himmel und Erde.“(Sedulius)

20.12.2020 4. Advent Lesejahr B

Tauet, ihr Himmel, von oben! Ihr Wolken, regnet herab den Gerechten! Tu dich auf, o Erde, und sprosse den Heiland hervor!“ (Vgl. Jes 45,8)

In der Einheitsübersetzung finden wir den Text so vor:

 „Taut, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, lasst Gerechtigkeit regnen! Die Erde tue sich auf und bringe das Heil hervor, sie lasse Gerechtigkeit sprießen. Ich, der HERR, erschaffe es.“

Die große Sehnsucht nach Gerechtigkeit bricht sich Bahn in eindringlicher Bitte. Von oben und unten soll die Gerechtigkeit kommen, regnen und sprießen. Darin liegt das Heil, die Heilung. Ungerechtigkeit wird bis in unsere Tage hinein verübt, schlägt Wunden, raubt und beeinträchtigt Leben. Der Ewige aber steht für das Heil ein, er schafft Gerechtigkeit. Im Eingangsvers zur Messe ist Gerechtigkeit und Heil personifiziert: der Gerechte, der Heiland.

In seiner Menschwerdung und so in Tod und Auferstehung Jesu Christi hat sich die Zusage des HERRN erfüllt. Diese Erfüllung ist aber zugleich auch im Werden. Dieses Geschehen vollzieht sich immer neu in der Eucharistiefeier. Der Gerechte, der Heiland begegnet den Feiernden in seinem Wort und in Brot und Wein. Er führt Gerechtigkeit und Heil in unserer Zeit herauf. Er befähigt und sendet am Ende der Feier die Christen, an diesem Heilungswerk der Gerechtigkeit mitzuwirken.

13.12.2020 3. Advent Lesejahr B

„Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe.“ (Phil 4,4-5)

In der Einheitsübersetzung von 2016 finden wir den Eröffnungsvers der heiligen Messe fast so, wie oben zitiert. Aber nach der Aufforderung zur Freude fehlt ein halber Vers: “Eure Güte werde allen Menschen bekannt.“ Und dann geht es erst weiter: „Der Herr ist nahe.“

Natürlich, weil der Herr nahe ist, dürfen wir uns freuen. Wir können uns freuen, auch wenn wir in Not und Bedrängnis leben. Der Gekreuzigte, auferstandene und verklärte Herr kommt wieder. Er lässt uns nicht im Stich. Er steht schon vor der Tür. Er kommt nicht erst in einer fernen Zukunft. Er bittet jetzt schon um Einlass in mein Leben. Wenn ich den Herrn in meinen Alltag eingelassen habe, wird jeder das erkennen können. Woran? An meine Güte. Sie ist mir vom Herrn in mein Wesen eingeprägt.

6.12.2020 2. Advent Lesejahr B

„Der Herr wird kommen, um die Welt zu erlösen. Volk Gottes, mach dich bereit. Höre auf ihn, und dein Herz wird sich freuen.“ (vgl. Jes 30,19.30)

Zu Beginn der heiligen Messe hören wir drei Zusagen: 1. Der Herr wird kommen. 2. Der Herr wird die Welt erlösen. 3. Dein Herz wird sich freuen. Zwischen der zweiten und dritten Zusage stehen zwei Aufforderungen: 1. Mach dich bereit! 2. Höre! Zusage und Aufforderung richten sich an das Volk Gottes und an jede / jeden einzelne / n.

Die Zusage, dass wir Erlösung erwarten dürfen und uns ganz durchdringende Herzensfreude, kann Ansporn sein, sich auf die Ankunft des Herrn vorzubereiten. Wie geschieht die Vorbereitung? Im Hören auf ihn! Wie spricht der Herr zu uns? Durch das Wort der Bibel; durch die Erfordernisse der Zeit, durch den Menschen, der mir gerade gegenüber ist. So die Stimme Gottes zu hören, ist schwer. Leichter kann das Hören werden, wenn wir in die Stille gehen, die Stille aufsuchen, die Stille in unser Herz und in unser Denken einkehren lassen. In der Stille kommt der Herr bei uns an. In der Stille erlöst er uns zu tief innerlicher Freude. Das ist ein Versuch wert. In der heiligen Messe werden wir zur Stille gestärkt, werden wir gestillt, wie ein Kind an der Brust der Mutter.

29.11.2020 1. Advent Lesejahr B

„Zu dir, Herr, erhebe ich meine Seele. Mein Gott, dir vertraue ich. Lass mich nicht scheitern, lass meine Feinde nicht triumphieren! Denn niemand, der auf dich hofft, wird zuschanden.“ (Ps 25,1-3)

In der Einheitsübersetzung von 2016 lesen sich die Verse so:

„Zu dir, HERR, erhebe ich meine Seele, mein Gott, auf dich vertraue ich. Lass mich nicht zuschanden werden, lass meine Feinde nicht triumphieren! Es wird ja niemand, der auf dich hofft, zuschanden; zuschanden wird, wer dir schnöde die Treue bricht.“

Am Anfang der heiligen Messe zu Beginn des neuen Kirchenjahres steht die vertrauensvolle Hin- und Zuwendung zum Herrn. Dann sofort die eindringliche Bitte: Lass mich nicht scheitern, lass mich nicht in Schande geraten, zuschanden werden, lass meine Feinde nicht über mich triumphieren. Diese Bitte ist dann wiederum verbunden mit einer großen Vertrauensbekundung: Wer auf den Herrn hofft, wird nicht zuschanden, gerät nicht in Schande.

Das ist die Überschrift über das Kirchenjahr – die Überschrift über mein Leben. Mein Wesen, mein Sein halte ich dem HERRN hin. Ich tue das voll Vertrauen und Zuversicht. Meine Hoffnung auf den Herrn will ich täglich erneuern und einüben. So ist mein Leben ehrenvoll.

(Michael Terhoeven, Pfarrer)

22.11.2020 Christkönigssonntag Lesejahr A

„Gepriesen sei der dreieinige Gott: der Vater und sein eingeborener Sohn und der Heilige Geist; denn er hat uns sein Erbarmen geschenkt.“

Jede Messfeier beginnen wir mit dem Kreuzzeichen und sprechen: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Die heilige Eucharistie ist Geschenk und Geschehen des einen Gottes, den wir in drei Personen anbeten und verehren.

Wir feiern das Erbarmen Gottes und seinen Heilswillen für uns. Der Allerbarmer hat aus seiner Ferne heraus sich als Mensch Jesus uns Menschen und seiner Schöpfung nahe gezeigt und sich als unverbrüchlich verbunden erwiesen. Er hat, weil er uns liebet und darum Leben über den Tod hinaus schenken will, den Weg des Menschen bis in den Kreuzestod hinein geteilt. So hat er die Macht des Todes gebrochen und die Herrlichkeit für alle Menschen zugänglich gemacht. Aus seiner Ferne, in der er uns aber ganz nahe ist, hat er seinen Geist als Beistand gesandt. So sind wir niemals verlassen. So können wir den Weg und den Zugang zur Herrlichkeit der Ewigkeit finden und gehen.

Geist ist der eine Gott, aber auch Fleisch; fern ist der eine Gott, aber auch nahe. Er ist vor unserer Zeit, in unserer Zeit, nach unserer Zeit. Wir können ihn nicht verstehen, doch haben wir Ahnung von ihm; wir können ihn nicht fassen, nicht halten, er aber versteht uns und hält uns. Unser Sprechen von ihm ist immer mehr falsch als richtig; dennoch ist es richtig von ihm zu sprechen. In Jesus ist er ganz da, so wie Jesus ganz im Vater ist. Wir sind in Jesus, er in uns und wir mit Jesus im Vater. Das ist eine große Einheit, ein unfassbares Geschenk. Wir können es immer nur „mit unseren Fingerspitzen berühren“ und uns selbst von dem einen Gott in drei Personen berühren lassen.

Wir sprechen in Gegensätzen von Gott und doch ist er Einer. In dreifacher Form spricht er uns an und schafft Einheit.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist* wie im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen

15.11.2020 33. Sonntag im Jahreskreis A/Volkstrauertag

„So spricht der Herr: Ich sinne Gedanken des Friedens und nicht des Unheils. Wenn ihr mich anruft, so werde ich euch erhören und euch aus der Gefangenschaft von allen Orten zusammenführen.“ (Jer 29, 11.12.14)

In der Einheitsübersetzung von 2016 lesen sich die vollständigen Verse so:

„Denn ich, ich kenne die Gedanken, die ich für euch denke – Spruch des HERRN -, Gedanken des Heils und nicht des Unheils; denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben. Ihr werdet mich anrufen, ihr werdet kommen und zu mir beten und ich werde euch erhören. … Und ich lasse mich von euch finden – Spruch des HERRN – und ich wende euer Geschick und sammle euch aus allen Völkern und von allen Orten, wohin ich euch versprengt habe – Spruch des HERRN. Ich bringe euch an den Ort zurück, von dem ich euch weggeführt habe.“

Gott will uns heilen. Er gibt uns Hoffnung. Denn er schenkt Zukunft über den Tod hinaus. Wenn wir uns durch Übertretung der schützenden Gebote Gottes in schlechte Abhängigkeiten verstrickt haben und Irrwege gegangen sind, der HERR hört unseren Hilferuf. Er befreit uns und führt uns zur Gemeinschaft der Erlösten zusammen. In dieser Gemeinschaft lässt der HERR sich von uns finden. Das bedenken wir mit den Worten des Propheten Jeremia zu Beginn der heiligen Messe.

8.11.2020 32. Sonntag im Jahreskreis A

„Herr, lass mein Gebet zu dir dringen, wende dein Ohr meinem Flehen zu.“ (Ps 88,3)

In der Einheitsübersetzung von 2016 lautet der Psalmvers:

„Lass mein Bittgebet vor dein Angesicht kommen, neige dein Ohr meinem Rufen!“

Wenn wir auf den ganzen Psalm schauen, dann zeigt sich, dass der Beter in großer Gefahr ist, ja in Lebensgefahr. Er hat aber den HERRN auch schon als Retter erfahren. So schreit er zum HERRN und ist zugleich auch voll Vertrauen.

So rufen auch wir gleich zu Beginn der heiligen Messe in all unseren Ängsten, Nöten und Bedrohungen vertrauensvoll zum HERRN. Mit dem Beter hoffen und vertrauen wir, dass unser Bittgebet vor das Angesicht des HERRN gelangt. Die neuere Übersetzung ist da kraftvoller: Angesicht bedeutet das ganze Wesen und Sein, die ganze „Person“. Der Allmächtige soll ganz Ohr sein, ja der Allerhöchste soll sich mir  in meinen Flehen zuwenden, in der neueren Übersetzung noch stärker: der Allerhöchste soll sich neigen, herabneigen, sein Ohr ganz nahe an meinen rufenden Mund halten.

In der Eucharistiefeier treten wir in verhüllter Schau vor Gottes Angesicht mit allen Engeln und Heiligen – sie schauen den HERRN schon unverhüllt von Angesicht zu Angesicht.

In der heiligen Messe, im Erinnerungsmahl neigt sich uns der HERR immer wieder neu zu. Seine Zuneigung hat er ein für alle Mal im gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus offenbart.

1.11.2020 Hochfest Allerheiligen

„Freut euch alle im Herrn am Fest aller Heiligen; mit uns freuen sich die Engel und loben Gottes Sohn.“

Zu Beginn der heiligen Messe werden wir auf Festesfreude eingestimmt und dazu ermuntert. Im Herrn sollen wir uns freuen, im Herrn Jesus Christus, der durch sein Leiden und seine Auferstehung uns Leben über den Tod hinaus eröffnet hat. Wir feiern und freuen uns in einer großen Gemeinschaft. Wir, die wir auf dieser Erde leben, sind verbunden mit denen, die schon in der Herrlichkeit des Allerhöchsten sind. Dorthin hat uns Jesus Christus den Weg gebahnt. Darum loben wir ihn zusammen mit den Engeln, den guten Geistern, die der Herr des Himmels und der Erde uns auf unserer irdischen Reise als Begleiter gegeben hat. In der heiligen Messe bilden wir eine Erde und Himmel umspannende Gemeinschaft.

25.10.2020 30. Sonntag im Jahreskreis A

„Freuen sollen sich alle, die den Herrn suchen. Sucht den Herrn und seine Macht, sucht sein Antlitz allezeit“ (Ps 105,3-4)

In der Einheitsübersetzung von 2016 lesen sich die Psalmenverse so:

„Rühmt euch seines heiligen Namens! Die den Herrn suchen, sollen sich von Herzen freuen. Fragt nach dem Herrn und seiner Macht, sucht sein Angesicht allezeit!“

Im Gotteslob von 2014 finden wir unter der Nummer 457,1 folgende Liedstrophe:

„Suchen und fragen, hoffen und sehn, miteinander glauben und sich verstehn, lachen, sich öffnen, tanzen, befrein, so spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.“ (Michael Scouarnec / Übersetzer Diethard Zils)

Gott von Angesicht zu Angesicht schauen ist das Ziel unseres Lebens. Wir beten im zweiten Hochgebet der heiligen Messe: “Nimm … alle …in dein Reich auf, wo sie dich schauen von Angesicht zu Angesicht.“

Den Herrn suchen macht Freude. Wie groß muss die Freude sein, ihn zu finden. Suchen und Finden geschieht hier und jetzt und das Finden vollendet sich in der Ewigkeit. Das Angesicht Gottes spiegelt sich in dem Menschen, der dir gegenüber ist. Wenn du im Mitmenschen Gott suchst, kannst du ihn jetzt schon finden und große Freude erfahren. Es kommt auf den immer wieder neuen Versuch an. Dazu stärkt uns die heilige Messe. Dazu werden wir am Ende der heiligen Messe gesandt.

18.10.2020 29. Sonntag im Jahreskreis A

„Ich rufe dich an, denn du, Gott, erhörst mich. Wende dein Ohr mir zu, vernimm meine Rede! Behüte mich wie den Augapfel, den Stern des Auges, birg mich im Schatten deiner Flügel.“ (17,6.8)

In der Einheitsübersetzung von 2016 lesen sich die Psalmenverse so:

„Ich habe zu dir gerufen, denn du, Gott, gibst mit Antwort.  Wende dein Ohr mir zu, vernimm meine Rede! …  Behüte mich wie den Augapfel, den Stern des Auges, birg mich im Schatten deiner Flügel.“

Von zwei Sinnen ist hier die Rede: Gehörsinn und Sehsinn.

Zum Gehörsinn: Gott hört; Gott erhört. Immer soll er ganz Ohr sein für die Rede des Beters.

Zum Sehsinn: Wir sind Augapfel – ganz verletzlich. Wir möchten sehen können. Das Sehvermögen soll Gott schützen. Mit dem Sehvermögen soll Gott uns ganz schützen. Wir möchten ganz Auge sein für Gott. Vielleicht meint der Beter auch: Wir sind Gottes Auge – mit unseren Augen will Gott in die Welt sehen – mit den Augen Gottes, die wir sind, sollen wir die Welt anschauen.

Ohren und Augen: Zu Beginn der heiligen Messe: unsere Sinne sollen geschärft und geschützt werden. Wir soll Sinne haben von und für Gott; Gott soll Sinne haben für uns.

Mit allen Sinnen mit Gott sein und so sich dem Sinn des Lebens nähern. Gott ist ganz und gar mit uns, mit seinem ganzen Sein.

11.10.2020 28. Sonntag im Jahreskreis

„Würdest du, Herr, unsere Sünden beachten, Herr, wer könnte bestehen? Doch bei dir ist Vergebung, Gott Israels.“ (Ps 130,3-4)

Die Einheitsübersetzung von 2016 gibt die beiden Verse so wieder:

„Würdest du, Herr, die Sünden beachten, mein Herr, wer könnte bestehen? Doch bei dir ist Vergebung, damit man in Ehrfurcht dir dient.“

Der Eingangsvers der heiligen Messe verbindet die versammelte Gemeinde ausdrücklich mit dem Volk Israel – Gott Israels. Die Psalmen sind ja Gebet des von Gott erwählten Bundesvolkes. Wie Israel sind auch wir sündige Menschen; wie Israel wählen wir mit unseren Vergehen gegen Gott den eigenen Untergang. Nur der Herr selbst kann uns vergeben und uns retten. Das hat er in der Geschichte Israels immer wieder gezeigt. Vergebung und Rettung ist vollendet in dem Juden Jesus Christus. Am Beginn der heiligen Messe besinnen wir uns auf diese Vergebung und Rettung. Lobpreisend begehen wir die Rettungsfeier; wir bekennen unsere Untreue Gott gegenüber; wir bekennen unseren Mangel an Liebe dem Nächsten gegenüber; wir vertrauen uns dem Vergebungswillen des Herrn an. Wir vertrauen seiner Barmherzigkeit. Diese Barmherzigkeit gilt es, als frohmachende Botschaft im Alltag unseren Mitmenschen erfahrbar zu machen. Dazu werden wir in der Messe gestärkt und am Ende ausgesandt. In Ehrfurcht dem Herrn dienen, ist: seine Barmherzigkeit täglich leben.

4.10.2020 27. Sonntag im Jahreskreis A

„Deiner Macht ist das All unterworfen, Herr, und niemand kann sich dir widersetzen; denn du hast Himmel und Erde gemacht und alles, was wir unter dem Himmel bestaunen. Du bist der Herr über alles.“ (Est 13,9.10-11 / Vulgata)

Messe ist Eucharistie: Danksagung.  Wir sagen Dank für die Schöpfung, die uns auf Gott, den Schöpfer hinweist. Wir sagen Dank, weil der Schöpfer seine Schöpfung, zu der auch wir gehören, durch Tod und Auferstehung Jesu Christi erlöst hat und durch ihn zur Vollendung führt.

27.09.2020 26. Sonntag im Jahreskreis A

„Alles, was du uns getan hast, o Herr, das hast du nach deiner gerechten Entscheidung getan., denn wir haben gesündigt, wir haben dein Gesetz übertreten. Verherrliche deinen Namen und rette uns nach der Fülle deines Erbarmens.“ (vgl. Dan 3,31.29.30. 43.42.)

In der Einheitsübersetzung von 2016 liest sich der Text in der nummerischen Reihenfolge so:

„Denn wir haben gesündigt und durch Treubruch gefrevelt und haben in allem gefehlt. Wir haben deinen Geboten nicht gehorcht, haben weder beachtet noch getan, was du uns zu unserem Wohl befohlen hast.  Alles, was du uns geschickt hast, alles, was du uns getan hast, das hast du nach deiner gerechten Entscheidung getan. … Überlass uns nicht der Schande, sondern handle an uns nach deiner Milde, nach deinem überreichen Erbarmen! Errette uns, deinen wunderbaren Taten entsprechend; verschaff deinem Namen Ruhm, HERR!“

Zu Beginn der heiligen Messe beten wir mit Asarja. Wir bekennen unsere Verfehlungen, unseren Treubruch, unseren Ungehorsam Gott gegenüber. Gott ist um unser Wohlergehen besorgt. Wir aber schlagen den Bund mit ihm und seine guten Wegweisungen in den Wind. Dann müssen wir uns nicht wundern, wenn wir in Unglück geraten.

Wir bekennen am Beginn der heiligen Messe aber mit Asarja auch, dass wir der Milde und des Erbarmens des Herrn vertrauen. Indem Gott in unserer Schande an unserer Seite ist, uns nicht verlässt, verschafft er seinem Namen Ruhm. So feiern wir Eucharistie, Lob- und Danksagung.

6.09.2020 23. Sonntag im Jahreskreis

„Herr, du bist gerecht, und deine Entscheide sind richtig. Handle an deinem Knecht nach deiner Huld.“ (Ps 119, 137.124)

Die Einheitsübersetzung von 2016:

„Gerecht bist du, HERR, und gerade sind deine Entscheide. Handle an deinem Knecht nach deiner Liebe und lehre mich deine Gesetze!“

Gerecht, richtig/gerade, so ist der HERR und sein Handeln. Im Wort „gerecht“ schwingen für mich die Begriffe „richtig“ und „gerade“ mit. Was gerade ist, das ist absehbar, einsehbar und nicht hinter Biegungen oder Verbiegungen verborgen. Da lauern keine Hinterhältigkeit und Tücke. Des HERRN Richtschnur ist die Liebe. Des HERRN Gesetze haben als Maßstab die Liebe. Sie dienen dem Leben. Der Beter hat sie als Schutz erfahren.

Wer die heilige Messe feiert, dessen Handeln wird geprägt von der liebenden Aufrichtigkeit des HERRN. Er ist eingeladen, sich SEINEM Wort vertrauensvoll zu öffnen. Das Fleisch gewordene Wort des HEERN, der Gekreuzigte und Auferstandene will sein Wesen prägen.

30.8.2020 22. Sonntag im Jahreskreis

„Sei mir gnädig, o Herr. Den ganzen Tag rufe ich zu dir. Herr, du bist gütig und bereit zu verzeihen; für alle, die zu dir rufen, reich an Gnade.“ (Ps 86,3.5)

Die Einheitsübersetzung von 2016 gibt die beiden Verso so wieder:

„Mein Herr, sei mir gnädig, denn zu dir rufe ich den ganzen Tag! … Denn du, mein Herr, bist gut und bereit zu vergeben, reich an Liebe für alle, die zu dir rufen.“

Der Beter ist in tiefster Not, aber er vertraut ganz und gar dem Herrn; darum ruft er den lieben langen Tag zu ihm. Seine eigene Schuld hat ihn in Not gebracht. Sein Glaube aber sagt ihm, dass der Allerhöchste in seiner Güte ständig bereit ist zu vergeben und sich in Liebe dem um Hilfe Schreienden zuzuwenden, wer es auch immer sein mag.

So kommen auch wir mit unseren Nöten zur Feier der Eucharistie. Sei die Not selbstverschuldet oder wie aus dem Nichts auf uns gefallen – die Liebe des Herrn wird uns zu teil. Dem um Hilfe und Erbarmen bittenden Mitgekreuzigten verspricht der Herr die paradiesische Zukunft. Sein Versprechen gilt auch uns, die wir in der Taufe mit Jesus Christus gestorben und auferstanden sind – und allen, die voll Vertrauen auf IHN bauen.

23.08.2020 21. Sonntag im Jahreskreis A

„Wende dein Ohr mir zu, erhöre mich, Herr, hilf deinem Knecht, der dir vertraut, sei mir gnädig, o Herr. Den ganzen Tag rufe ich zu dir.“ (Ps 86,1-3)

In der Einheitsübersetzung von 2016 lesen sich die Verse so:

„Neige dein Ohr, HERR, und gib mir Antwort, denn elend und arm bin ich!

Beschütze mich, denn ich bin dir ergeben! Rette du, mein Gott, deinen Knecht, der auf dich vertraut!

Mein Herr, sei mir gnädig, denn zu dir rufe ich den ganzen Tag!“

Ein armer Mensch im tiefen Elend ruft den Herrn an. Er ist mit seinem Gott in einem sehr intimen Zwiegespräch – Gott soll mit seinem Ohr ihm ganz nahekommen, fast seinen Mund berühren. Er soll antworten.

Ganz und gar vertraut er Gott, denn er hat seine Hilfe schon oft erfahren. Er, der elend und arm ist, ist Gott ergeben und voll Vertrauen. Darum ruft er den ganzen Tag, unablässig.

Mit diesem Vertrauen beginnen wir die heilige Messe. Jesus ist unser Mittler beim Vater. Er, der elend am Kreuz gestorben ist, wurde von Gott in die ewige Herrlichkeit hineingerettet. Im Hinblick auf Jesus Christus, dürfen auch wir zuversichtlich sein. Bedrängnisse bleiben uns nicht erspart – aber es gibt Rettung. Diese Hoffnung und dieses Vertrauen werden in jeder Eucharistiefeier gestärkt.

16.08.2020 20. Sonntag im Jahreskreis A

„Gott, du unser Beschützer, schau auf das Angesicht deines Gesalbten. Denn ein einziger Tag in den Vorhöfen deines Heiligtums ist besser als tausend andere.“ (Ps 84,10-11)

Unterwegs besichtigen wir gerne Kirchen – Kulturdenkmäler sind sie, Orte der Ruhe, Schutz vor Sonne und Regen …. Ganz anders betreten wir das Gotteshaus, wenn es das Ziel eines Pilgerweges ist. Nochmals anders ist es, wenn der heilige Raum unsere „Arbeitsstätte“ ist als Haupt- Ehren- oder Nebenamtliche.

Der ganze Psalm 84 ist durchzogen von der Liebe zum Heiligtum des Herrn, zum Tempel. Er atmet Vertrauen zum Allerhöchsten, Geborgenheit, Zuversicht in Gottes Kraft, Lebensstärkung und Freude.

Es lohnt sich, den Psalm in Gänze zu lesen, langsam, Vers für Vers und den Real-Bildern nachzuhängen.

Ergriffen hat mich der Vers 6 in der Übersetzung von 2016: „Selig, die Menschen, die Kraft finden in dir, die Pilgerwege im Herzen haben.“

Wir dürfen getrost auf dem Weg zum HERRN bleiben und immer wieder in seiner Nähe gestärkt werden.

9.8.2020 19. Sonntag im Jahreskreis

„Blick hin, o Herr, auf deinen Bund und vergiss das Leben deiner Armen nicht für immer. Erhebe dich, Gott und führe deine Sache. Vergiss nicht das Rufen derer, die dich suchen.“  (Ps 74, 20.19.22.23)

In der Einheitsübersetzung von 2016 lesen sich die Verse 19-20 und 22-23 so:

„Gib das Leben deiner Taube nicht dem Raubtier preis, das Leben deiner Armen vergiss nicht für immer! Schau auf den Bund, denn die finsteren Plätze des Landes sind voll mit Auen der Gewalt.

Steh auf, Gott, führe deinen Streit! Gedenke wie die Toren dich den ganzen Tag verhöhnen! Vergiss nicht das Geschrei deiner Gegner, das Toben deiner Widersacher, das ständig emporsteigt.“

Die Sache des Armen und Ausgelieferten ist die Sache Gottes, denn der Herr hat einen Bund, ein Bündnis geschlossen mit denen, die der Dunkelheit der Gewalt überall ausgeliefert sind.

Der Beter aber, der um die hilfreichen Taten Gottes weiß, er fühlt sich von Gott übersehen. Darum schreit er und will Gott wachrütteln; er lenkt Gottes Hören auf das Schreien der Widersacher, auf den überheblichen Lärm der Verhöhner.

Der Beter vertraut dennoch seinem Gott auch in tiefster Not. Er bekennt die hilfreichen und rettenden Taten Gottes. Doch er versteht den Herrn nicht, dass er auf seine Rettung so lange warten lässt.

In jeder Messfeier erinnern wir mit Lobpreis die rettende Tat Gottes durch Jesus Christus.

In jede Messfeier bringen wir aber auch unsere dunklen Stunden.

2.8.2020 18. Sonntag im Jahreskreis A

„Gott, komm mir zu Hilfe; Herr, eile mir zu helfen. Meine Hilfe und mein Retter bist du, Herr, säume nicht.“ (Ps 70, 2.6)

Die Verse 2 und 6 lauten im vollen Umfang in der Einheitsübersetzung von 2016 so:

„Gott, komm mir zu Hilfe, HERR, eile mir zu helfen! / Ich aber bin elend und arm. Gott, eile zu mir! Mein Helfer und mein Retter bist du. HERR, säume doch nicht!“

Da betet ein armer Mensch. Er sieht sich in seinem Leben bedroht. Schamlose Menschen freuen sich über sein Unglück. Sie sagen: „Ha, Dir geschieht recht.“ (70,4b) Er aber ist ein Gottsucher, einer, der auf Gottes Größe vertraut. Er glaubt, dass Gott seine Heilung, sein Heil ist. Aber der Beter ist auch ungeduldig. Er fleht Gott um Eile an. Unverzüglich soll der Allerhöchste ihn retten. Er soll nicht versäumen, ihm im Angesicht der Höhner beizustehen. Aber mitten in seiner Not und Ungeduld drückt er auch sein Vertrauen und seinen Glauben aus: “Mein Helfer und mein Retter bist du.“(70,6c)

Geht es uns nicht auch so? Obwohl wir glauben und Gott suchen, sind wir in unserer Not ungeduldig. Wir wollen die schnelle Hilfe. Alle sollen es sehen. Ungeduld kann den Glauben annagen. Dem aber, der dem HERRN sein ganzes Vertrauen schenkt, der wird Heil finden, mehr noch IHN selbst. Aber vielleicht ist es auch so, dass die Ungeduld den Glauben nicht annagt, sondern Ausdruck des festen Vertrauens ist. Da ich felsenfest glaube, soll Gott auch schnell helfen. Es gibt doch keinen Grund dafür, dass Gott zaudert. Aber vielleicht hat der Erhabenen doch ganz andere und bessere Pläne.

19./26. Juli 2020 16. und 17. Sonntag im Jahreskreis

„Gott ist mein Helfer, der Herr beschützt mein Leben. Freudig bringe ich dir mein Opfer dar und lobe deinen Namen, Herr, denn du bist gütig.“ (Ps 54,6.8)

In der Einheitsübersetzung von 2016 lesen sich die Verse so:

„Siehe, Gott ist mein Helfer, der Herr ist unter denen, die mein Leben stützen. Bereitwillig will ich dir opfern, will deinem Namen danken, HERR, denn er ist gut.“

Der Eröffnungsvers der heiligen Messe zum 17. Sonntag im Jahreskreis lautet:

„Gott ist hier, an heiliger Stätte. Gott versammelt sein Volk in seinem Haus, er schenkt ihm Stärke und Kraft.“ (Ps 68, 6-7.36)

In der Einheitsübersetzung von 2016 lesen sich die Verse ganz anders und konkreter:

„Ein Vater der Waisen, ein Anwalt der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung. Gott bringt Verlassene heim, führt Gefangene hinaus in das Glück; doch Aufsässige müssen wohnen im dürren Land. Furcht gebietend bist du, Gott, von deinem Heiligtum aus, er ist der Gott Israels, der dem Volke Macht und Stärke gibt. Gott sei gepriesen.“

Gott hilft den Kleinen und Bedürftigen zum Leben. Er ist lebensmächtig für die Geschundenen und rechtlos Ausgelieferten. Gott ist Schutz, Stärke und Kraft für die vom Untergang bedrohten. Er versammelt die Hilflosen bei sich und ist ihr Schutz. Darum gilt ihm alle Ehre, alle Anbetung, jedes Lob. Gott ist eben der, der er ist; Gott ist der, der immer da ist, der immer bei uns ist.

Es kann guttun, die Verse mehrmals langsam laut auszusprechen – mit Pausen dazwischen. So kann sich der tiefe Sinn der Verse mir an diesem Tag bewusst werden.

12.7.2020 15. Sonntag im Jahreskreis

Ich will in Gerechtigkeit dein Angesicht schauen, mich satt sehen an deiner Gestalt, wenn ich erwache.“ (Ps 17, 15)

Die Einheitsübersetzung von 2016 gibt den Vers 17,15 so wieder: „Ich, in Gerechtigkeit werde ich dein Angesicht schauen, mich satt sehen an deiner Gestalt, wenn ich erwache.“

Gerechtigkeit ist zu allen Zeiten ein Problem. Der Beter wendet sich voll Vertrauen an den Herrn, der ihn ganz durchschaut. Er, der Gerechte, schüttet sein Herz vor dem Herrn aus und vertraut sich ganz und gar seinem Schutz an, da er sich von Frevlern und Feinden umzingelt erfährt. Er klagt, dass es den ungerecht Handelnden und seinen Nachkommen gut geht. Ganz stark sind sein persönliches Bekenntnis und sein tiefes Vertrauen, dass der Herr ihm Gerechtigkeit verschafft; das heißt dann auch im Besonderen, dass der Herr ihm ganz innige Verbundenheit mit sich schenkt. Diese Verbundenheit macht ihn lebenssatt.

5.7.2020 14. Sonntag im Jahreskreis

Deiner Huld, o Gott, gedenken wir in deinem heiligen Tempel. Wie dein Name, Gott, so reicht dein Ruhm bis an die Enden der Erde; deine rechte Hand ist voll von Gerechtigkeit.“ (Ps 48, 10-11)

Die Einheitsübersetzung von 2016 gibt den Vers 10 so wieder: „Wir haben, Gott, deine Huld bedacht inmitten deines Tempels.“

Die Beter haben die Macht und Größe Gottes und seine kräftige Hilfe erfahren. Darüber denken sie nach inmitten des Tempels, im Zentrum der Gegenwart Gottes, in der Mitte derer, die zum Volk Gottes gehören. Sie werden sich bewusst, welch große Zuneigung Gott zu ihnen hat. Die Erfahrung der helfenden Nähe Gottes wollen sie den nachfolgenden Generationen übermitteln.

In der eucharistischen Versammlung erinnern wir die absolute Nähe Gottes im gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus, und mehr noch: bei der Erinnerung erfahren wir diese Nähe. Von der Messe aus werden wir in den Alltag gesandt, diese Nähe zu leben in Wort und Tat. So kann von Generation zu Generation Gottes treue und machtvoll helfende Zuneigung zu den Menschen erfahrbar werden.

07.06.2020 Dreifaltigkeitssonntag A

„Gepriesen sei der dreieinige Gott: der Vater und sein eingeborener Sohn und der Heilige Geist; denn er hat uns sein Erbarmen geschenkt.“

Jede Messfeier beginnen wir mit dem Kreuzzeichen und sprechen: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Die heilige Eucharistie ist Geschenk und Geschehen des einen Gottes, den wir in drei Personen anbeten und verehren.

Wir feiern das Erbarmen Gottes und seinen Heilswillen für uns. Der Allerbarmer hat aus seiner Ferne heraus sich als Mensch Jesus uns Menschen und seiner Schöpfung nahe gezeigt und sich als unverbrüchlich verbunden erwiesen. Er hat, weil er uns liebet und darum Leben über den Tod hinaus schenken will, den Weg des Menschen bis in den Kreuzestod hinein geteilt. So hat er die Macht des Todes gebrochen und die Herrlichkeit für alle Menschen zugänglich gemacht. Aus seiner Ferne, in der er uns aber ganz nahe ist, hat er seinen Geist als Beistand gesandt. So sind wir niemals verlassen. So können wir den Weg und den Zugang zur Herrlichkeit der Ewigkeit finden und gehen.

Geist ist der eine Gott, aber auch Fleisch; fern ist der eine Gott, aber auch nahe. Er ist vor unserer Zeit, in unserer Zeit, nach unserer Zeit. Wir können ihn nicht verstehen, doch haben wir Ahnung von ihm; wir können ihn nicht fassen, nicht halten, er aber versteht uns und hält uns. Unser Sprechen von ihm ist immer mehr falsch als richtig; dennoch ist es richtig von ihm zu sprechen. In Jesus ist er ganz da, so wie Jesus ganz im Vater ist. Wir sind in Jesus, er in uns und wir mit Jesus im Vater. Das ist eine große Einheit, ein unfassbares Geschenk. Wir können es immer nur „mit unseren Fingerspitzen berühren“ und uns selbst von dem einen Gott in drei Personen berühren lassen.

Wir sprechen in Gegensätzen von Gott und doch ist er Einer. In dreifacher Form spricht er uns an und schafft Einheit.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist* wie im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen

31.05.2020 Pfingsten A

 

„Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis. In ihm hat alles Bestand. Nichts bleibt verborgen vor ihm. Halleluja.“ (Vgl. Weish 1,7)

„Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. Halleluja. (Röm 5,5)

Die Liturgie bietet uns am Pfingstfesttag 2 Verse zur Eröffnung der heiligen Messe an: aus dem Buch der Weisheit des 1. Testaments und aus dem Römerbrief des 2. Testaments. Beide Verse gehen von der Tatsache aus: Gottes Geist ist in der ganzen Welt gegenwärtig. Es gibt keine geistlose Erde.

Der Römerbrief sagt, was der Heilige Geist bewirkt: Gottes Liebe prägt unser ganzes Wesen, unser Herz, unser Sein. Das ist das Geschenk Gottes. Wo wir die Liebe Gottes ausschlagen, unser Denken, Reden und Tun nicht davon prägen lassen, da verdrängen wir Gottes guten Geist. Aber alles, was nicht dem Geist Gottes entspricht, vergeht; nur was ihm entspricht, bleibt. Dem Heiligen Geist können wir nichts vormachen. Er durchschaut alles; er steht für die Wahrheit. Die Wahrheit aber, so lesen wir in der Bibel, wird uns frei machen. Die Wahrheit ist Jesus Christus selbst, der vom Vater gekommen ist. Er ist zu ihm zurückgekehrt, nachdem er den Auftrag des Vaters der Barmherzigkeit erfüllt hat, und hat den Heiligen Geist gesandt. Am Ende der Zeit kommt der Herr wieder und wird alles nach Gottes Geist vollenden.

Gottes Geist ist das Geschenk der Liebe Gottes, die alles durchwirkt und für die Ewigkeit bleibt.

 

24.05.2020 7. Sonntag der Osterzeit A

„Vernimm, o Herr, mein lautes Rufen; sei mir gnädig und erhöre mich! Mein Herz denkt an dein Wort: ‘Sucht mein Angesicht!‘ Dein Angesicht, Herr, will ich suchen. Verbirg nicht dein Gesicht vor mir! Halleluja. Ps 27,7-9

In der Einheitsübersetzung von 2016 lesen wir den Psalmvers so:

„Höre, Herr, meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und gib mir Antwort! Mein Herz denkt an dich: Suchet mein Angesicht! Dein Angesicht, Herr, will ich suchen. Verbirg nicht dein Angesicht vor mir; (weise deinen Knecht im Zorn nicht ab!)

Heute bete ich so:

Herr, wenn ich zu dir rufe, dann hörst du meine unverwechselbare Stimme. Du gibst mir eine unverwechselbare Antwort, die mir ganz persönlich gilt. Du gehst auf mich ein, ohne dass ich es verdient hätte.

Mit meinem ganzen Sein und Wesen bin ich auf der Suche nach dir. Ich wünsche, dein Angesicht zu sehen; auf deinem Angesicht möchte ich lesen können, wie du zu mir stehst. Bist du zornig über mich? Bist du gütig? Schaust du mich voll Liebe an? Lässt du mich aufleben? Ich wünsche, dass du mich mit meiner ganzen Existenz annimmst. Ja, ich glaube: Du erfüllst mein Suchen und Sehnen mit Freude.

21.05.2020 Hochfest Christi Himmelfahrt

„Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel? Der Herr wird wiederkommen, wie er jetzt aufgefahren ist. Halleluja“ (Apg 1,11)

In der Einheitsübersetzung von 2016 lesen wir den Vers so:

„Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?  Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.“

Zwei Männer in weißen Gewändern sagen das den Aposteln, die wie erstarrt dem zum Himmel entschwundenen Herrn nachschauen. Hinterherschauen bringt nichts. Es gilt, darauf zu vertrauen, dass der Herr Jesus Christus unverwechselbar wiederkommen wird. Dieses Vertrauen und Warten bringt in Bewegung in Richtung auf den Himmel. Warten und Vertrauen auf die Wiederkunft Jesu Christi wird ausgefüllt durch die Vorbereitung, dass der Himmel auf die Erde kommen kann. Wohlgemerkt: Vorbereitung! Denn der neue Himmel wird geschenkt, und dann wird auch die Erde ganz neu. Das bringt der gekreuzigte und auferstandene Herr bei seiner Wiederkunft mit. Verkürzen wir uns die Zeit mit tätigem Vertrauen und Warten, mit den uns möglichen Vorbereitungen. Die Vorbereitungen müssen natürlich dem wiederkommenden Herrn entsprechen: alles befolgen, was er geboten hat (vgl. Mt 28,20) im Hinblick auf die Hungernden, Durstigen, Fremden, Nackten, Kranken, Gefangenen  (vgl. Mt 25, 3536).

17.05.2020 6. Sonntag der Osterzeit A

Verkündet es jauchzend, damit man es hört! Ruft es hinaus bis ans Ende der Erde!             Ruft: Der Herr hat sein Volk befreit. Halleluja, (vgl. Jes 48,20)

In der Einheitsübersetzung von 2016 ist der Text so zu lesen: „Zieht aus Babel aus, flieht aus Chaldäa! Verkündet es jauchzend, lasst dies hören, tragt es hinaus bis ans Ende der Erde! Sagt: Der HERR hat seinen Knecht Jakob ausgelöst.“

Der Hintergrund ist also die Befreiung. Das nach Babel deportierte Volk kann sich auf den Weg nach Hause machen – wegziehen, fliehen. Der Weg in die Freiheit ist offen. Dafür hat der HERR etwas in die Waagschale gelegt. Derr HERR hat ausgelöst. Bei „auslösen“ denke ich auch an Knochen auslösen.

In der Osterzeit, zu Beginn der heiligen Messe am 6. Sonntag, hören wir diesen Aufruf. Der Freiheitsweg ist eröffnet. Auf diesem Weg, so sagt die Liturgie gleich zu beginn, sollen wir verkünden: Der HERR hat uns ausgelöst. Womit wir ausgelöst sind, feiern wir als Christen in der Eucharistie: Der HERR selbst ist der Loskaufpreis: Jesus Christus hat sich am Kreuz geopfert und ist vom Vater auferweckt worden. Dadurch ist unser Weg ins Leben frei geworden. Das sollen wir jauchzend, voll Freude, immer wieder ausrufen: Der Herr selbst hat uns aus Sünde und Todesmacht befreit. Immer, wenn wir die heilige Messe feiern, verkünden wir Tod und Auferstehung Jesu, unsere Befreiung, unsere Auslösung. Nachdem wir in dieser Feier durch den Leib und das Blut Christi gestärkt wurden, werden wir am Ende der Messe (ite missa est!) ausgesandt, im Alltag diese Freiheitsbotschaft in Wort und Tat zu verkünden.

10.5.2020 5. Sonntag der Osterzeit A

 

"Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er hat wunderbare Taten vollbracht … und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker. Halleluja." (Ps 98,1-2)

 

Wenn auch manche sich über die „alten“ Lieder im Gottesdienst beklagen, so ist das Einüben neuer Lieder nicht unbedingt beliebt. Aber es gibt wohl Situationen, da will sich ein „neues“ Lied aus dem Herzen heraus bahnbrechen. So eine Situation haben wohl die Beter des Psalms 98 erlebt: Der Herr hat wunderbare Taten vollbracht: Der Herr hat geholfen. Der Herr hat sein Heil, nämlich den Willen, alle zu heilen, erfahrbar gemacht; der Herr hat Gerechtigkeit durchgesetzt; der Herr bleibt seinem Volk zugeneigt und treu. Darum soll die ganze Schöpfung und in ihr alle Menschen mit all ihren Möglichkeiten dem Herrn des Himmels und der Erde zujubeln.

Vielleicht habe ich das auch mal erfahren dürfen, dass der Herr in meinem Leben alles zum Guten gewendet hat.

(Michael Terhoeven, Pfarrer)

03.05.2020 4. Sonntag der Osterzeit A

„Die Erde ist voll von der Huld des Herrn.

Durch das Werk des Herrn, wurden die Himmel geschaffen. Halleluja." (Ps 33,5-6)

 

Himmel und Erde sind das Werk Gottes. Auch das, was uns in der Welt zu schaffen macht, gründet in Gott. Der Herr behält alles im Blick. Sein Blick ist lebensfördernd. Wir dürfen bei all unserem Planen und Forschen, bei all unserem Mühen und Sorgen, ja in all unserem Leid darauf vertrauen, dass der Herr alles zum Guten lenkt. Gott steht zu seinem Schöpfungswort. Das Wort ist Fleisch geworden. Dieses Wort bezeugt in Tod und Auferstehung die Lebenskraft und den Lebenswillen Gottes. Gottes Liebe erfüllt den ganzen Erdkreis.

Diese Liebe dürfen wir hier und da erfahrbar machen.

26.04.2020 3. Sonntag der Osterzeit A

„Jauchzt vor Gott, alle Menschen der Erde! Spielt zum Ruhm seines Namens! Verherrlicht ihn mit Lobpreis! Halleluja.“

Jauchzen, Instrumente spielen, lobpreisen! Warum?

Im Vers 12 liegt eine Antwort: „Wir gingen durch Feuer und Wasser, doch du hast uns herausgeführt, hin zur Fülle.“

Den Weg durch alle Bedrängnis ist der Herr mitgegangen. Der Weg durch alle Bedrängnis hat das wunderbare Ziel: Lebensfülle!

Auch all unsere Wege geht der Herr mit. Auch unser Lebensweg hat die Fülle zum Ziel.

Jesus Christus ist der Gekreuzigte und Auferstandene. Er ist an unserer Seite. Darum: Jauchzt, spielt die Instrumente und stimmt das Loblied an!

Im Lobpreis öffnet sich der Himmel und berührt unsere geschundene Welt.

19.04.2020 Sonntag der Barmherzigkeit A

„Wie neugeborene Kinder verlangt nach der unverfälschten Milch des Wortes, damit ihr durch sie heranwachst und das Heil erlangt. Halleluja“ (1Petr 2,2)

„Freut euch und dankt Gott, der euch zu sich gerufen hat. Ihr seid Kinder Gottes und Erben seiner Herrlichkeit. Halleluja“ (Vgl. 5 Esra 2,36-37 apokr.)

 

„Wie neugeboren“ sagen wir manchmal. Tatsächlich sind wir neugeboren durch die Hineinnahme in Tod und Auferstehung Jesu Christi durch die Taufe. Wir haben den gekreuzigten und auferstandenen Herrn wie ein Gewandt angezogen, haben durch die Taufe innige Gemeinschaft mit IHM. Wir haben Leben in aller Bedrängnis und Not; Leben, das hineinragt in die vollendete Erfüllung der Ewigkeit.

Der Gekreuzigte und Auferstandene ist das Fleisch gewordene Wort Gottes. Die Worte der Heiligen Schriften sind für uns Muttermilch. Muttermilch enthält alles, was das Baby zum Leben und Heranwachsen braucht. Mit dem Wort, das Jesus Christus ist; mit dem Wort, das in den Schriften zu uns spricht, wird uns der Weg zum Heil, zur endgültigen Heilung gewiesen. Mit dem Wort sind wir in Gemeinschaft mit Gott und haben Teil an seiner Herrlichkeit.

12.04.2020 Ostertag A

„Ich bin erstanden und bin immer bei dir. Halleluja. Du hast deine Hand auf mich gelegt. Halleluja. Wie wunderbar ist für mich dieses Wissen. Halleluja." (Vgl. Ps 139,18.5-6)

Im Psalm 139 Vers 18 und Verse 5-6 heißt es:

V 18: "Wollte ich sie (Gedanken / die Summe der Gedanken Gottes) zählen, sie sind zahlreicher als der Sand. Ich erwache und noch immer bin ich bei dir.“

Vv 5-6: Von hinten und von vorn hast du mich umschlossen, hast auf mich deine Hand gelegt. Zu wunderbar ist für mich dieses Wissen, zu hoch, ich kann es nicht begreifen.

Der alternative Eröffnungsvers zur hl. Messe am Ostertag lautet:

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden. Halleluja: Sein ist die Macht und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Halleluja (Vgl. Lk 24,34; Offb 1,6)

Im Lukasevangelium 24,34 heißt es.

Die Emmaus-Jünger kehren nach Jerusalem zurück, treffen auf die Elf mit anderen Jüngern versammelt. „Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.“

Und in Offb 1,5-6 heißt es:

„Ihm, der uns liebt und uns von unseren Sünden erlöst hat durch sein Blut, der uns zu einem Königreich gemacht hat und zu Priestern vor Gott, seinem Vater: Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen“

Wir schlafen darüber ein, wenn wir Gottes Gedanken zählen wollen; bis in unseren Tod hinein können wir Gottes Gedanken nicht ergründen. Auch wenn wir vor Gott einschlafen, gerade auch wenn wir sterben, bleiben wir in Liebe von Gott umfangen; wir wachen in seinen Armen auf – nach unserem Schlaf, nach unserem Sterben. Das ist tröstliches Glaubenswissen. Durch Tod und Auferstehung Jesu Christi ist uns ein Lebensreich aufgeschlossen / erschlossen, das herrlicher, größer und beständiger ist, als alle Lebens(be)reiche dieser Welt.

05.04.2020 Palmsonntag A

An Palmsonntag beginnt die Feier des Einzugs Christi in Jerusalem mit folgendem Ruf:

„Hosanna dem Sohne Davids! Gepriesen, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel. Hosanna in der Höhe!“ (Mt 21,9)

Einheitsübersetzung 2016

„Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen:

Hosanna dem Sohne Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!“

Der Eröffnungsvers der heiligen Messe lautet:

„Sechs Tage vor dem Osterfest kam der Herr in die Stadt Jerusalem. Da liefen ihm Kinder entgegen mit Palmzweigen in den Händen und riefen: Hosanna in der Höhe! Sei gepriesen, der du kommst als Heiland der Welt.

Ihr Tore, hebt euch nach oben, hebt euch ihr uralten Pforten; denn es kommt der König der Herrlichkeit. Wer ist der König der Herrlichkeit? Der Herr der Heerscharen, er ist der König der Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe! Sei gepriesen, der du kommst als Heiland der Welt.“ (vgl. Ps. 24, 9-10)

Zum Beginn des eucharistischen Hochgebetes stimmt die Gemeinde folgenden Gesang an:

„Heilig, heilig, heilig Gott, Herr aller Mächte und Gewalten. Erfüllt sind Himmel und Erde von deiner Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe. Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe.“

Hosanna! Hilf doch! So rufen die Menschen dem nach Jerusalem zum Tempel pilgernden Jesus zu. In ihm sehen sie den, der alle Verletzungen heilt. Der Sohn Davids zieht nicht mit Streitwagen ein, sondern auf einem Esel, dem königlichen Gefährt in Friedenszeit. Im Namen des Herrn kommt er als Friedensfürst und als Prophet. Hosanna in der Höhe! Die Menschen rufen nach Hilfe aus der Höhe und sehen in Jesus den Messias, der von Gott her Heil und Segen bringt.  Wie die Priester am Tempel, dem Ort der Herrlichkeit Gottes, auf die Pilger den Segen des Allerhöchsten herabrufen, so rufen hier die Mitpilgernden auf Jesus den Segen herab. Er selbst ist der Segen aus der Höhe.

Jesus kehrt auch bei uns ein als Friedensfürst und Heiland. Er ist der Segensbringer des Gottes, der sich als sanftmütig und zugleich als stark erweist. Er ist Trost und schenkt

29.03.2020 5. Fastensonntag A

„Verschaff mir Recht, o Gott, und führe meine Sache gegen ein treuloses Volk! Rette mich vor bösen und tückischen Menschen, denn du bist mein starker Gott.“ (Ps 43,1-2)

Wer so betet, ist in großer Not. Wer so betet, hat großes Vertrauen zu Gott. Der Beter ist umgeben von Treulosigkeit, Heimtücke und abgrundtiefer Bosheit. Durchbrechen kann diese unberechenbare Umschlingung nur Gott. Er ist größer und stärker als alle Bosheit. Gott ist treu; Gottschenkt Heimat und Geborgenheit; Gott liebt mit abgrundtiefem Herzen und ist erfahrbar gut.

Wie der Beter, der vieles Schlimme durchgemacht hat, zum Herrn betet, so dürfen auch wir unsere Zuflucht zum Herrn nehmen und zu ihm vertrauensvoll rufen.